Neues bei s.a.m. health: Sozialfonds

Deutsche Aidshilfe e.V.

Seit 2018 gibt es s.a.m. health: Der HIV und STI Check für zuhause. In 4 Jahren der Weiterentwicklung und über zwei Jahren Heimtestung in der Pandemie hat sich einiges getan. Urs Gamsavar vom Fachportal Beratung sprach mit Pia Müller Projektleiterin von s.a.m. health.

Hallo Pia, danke für deine Zeit. Bevor wir gleich in die ganzen Entwicklungen innerhalb des Projekts einsteigen, würde ich dich bitten, s.a.m. health noch einmal kurz zu umreißen. Was ist s.a.m health überhaupt?

DAH

Kurz und knapp gesagt, ist s.a.m. health ein Einsendetest-Projekt, welches Tests auf HIV, Chlamydien, Syphilis und Gonorrhoe (Tripper) ermöglicht … und zwar bequem von zuhause aus. Nach der Online-Registrierung, einem persönlichen Telefongespräch und dem Zahlungseingang bekommt man das s.a.m health-Testkit mit den Materialien zur Probenentnahme nach Hause zugesendet. Die Proben werden von den Nutzer*innen selbst zuhause entnommen und anonymisiert ins Labor geschickt. Ein Briefumschlag mit Porto und der Adresse des Labors ist selbstverständlich schon im Testkit mit dabei. Die Ergebnisse bekommen sie dann via SMS mitgeteilt. Im Fall eines reaktiven bzw. positiven Testergebnisses erhalten sie eine SMS mit einer Rückrufbitte. Während des Telefonats wird das Ergebnis mitgeteilt, erste Ängste werden genommen und es wird zu regionalen Ärzt*innen verwiesen.

Das telefonische Beratungsgespräch ist nur bei der ersten Bestellung obligatorisch. Hier können dann auch offene Fragen geklärt werden. Beim ersten Mal gibt es nämlich oft noch Unsicherheiten, wie das Procedere oder die Probenentnahme funktionieren. Selbstverständlich kann auch bei regelmäßigen Bestellungen von Testkits ein Beratungsgespräch wahrgenommen werden, wenn es gewünscht ist. In unserem Testangebot enthalten ist ein regelmäßiger Erinnerungsservice per SMS. Nutzer*innen können hier zwischen einem 3-, 6- oder 12-monatigen Erinnerungsrhythmus wählen.

Du hast nun schon erwähnt, dass s.a.m. health anonym ist. Wie funktioniert das und welche Daten muss ich angeben?

Während der Registrierung geben Nutzer*innen persönliche Daten – insbesondere Namen, Adresse und Telefonnummer – für die Ergebnismitteilung an. Der Name muss nicht dem eigentlichen Namen entsprechen, solange er am Briefkasten steht. Sonst wissen die Postbot*innen nicht, wohin mit dem Testkit. Auch die Angabe einer DHL-Packstation ist möglich. Die Telefonnummer wird zunächst über einen SMS-Code verifiziert. Im Beratungsgespräch wird dann u.a. besprochen, ob und wie oft ein Test überhaupt sinnvoll ist. Dafür wird natürlich auch über Sex geredet. Die Daten werden selbstverständlich streng vertraulich behandelt. Zugang hat lediglich die ausgewählte Beratungsstelle. Das heißt, das Labor hat keine Einsicht in diese Daten und übermittelt die Ergebnisse über einen Barcode. Die Testergebnisse werden automatisiert über eine IT-Schnittstelle in unser 3-fach verschlüsseltes System eingepflegt.

DAH

4 Jahre gibt es s.a.m health nun schon. Hat sich seit Einführung des bundesweiten Testangebots 2020 etwas geändert?

Ja, glücklicherweise konnten wir vor der Pandemie die Telefonberatung einführen. Somit ist unser Testservice komplett von zuhause aus möglich und ein persönliches Vorsprechen (face to face) ist beim Erstgespräch oder bei weiteren Fragen nicht mehr notwendig – jedoch, wenn gewünscht, weiterhin möglich. Damit ist unser Service nicht nur diskret und niedrigschwellig, sondern auch total bequem für die Nutzer*innen geworden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass durch die Telefonberatung die Kontinuität der Tests sichergestellt werden konnte. Das war vor allem wichtig, als das Gesundheitssystem und der öffentliche Dienst überlastet waren und viele lokale Testangebote ausgefallen sind.

In den Hochzeiten der Pandemie wurde viel darüber gesprochen, ob Testangebote überhaupt Sinn ergibt, denn streng genommen durfte man sich nicht mit anderen treffen. Wie sah das bei s.a.m. health aus? Hat sich diese Vorannahme bestätigt?

Entgegen der Vermutung des RKIs, dass sich aufgrund der Kontakteinschränkungen möglicherweise auch das Sexualverhalten der in Deutschland lebenden Bevölkerung geändert haben könnte, haben unsere Zahlen das nicht bestätigt. Ganz im Gegenteil: Wir hatten insgesamt einen starken Anstieg an Testanfragen; und in den Beratungsgesprächen wurde deutlich, dass ein Test auch durchaus angemessen schien.

Regulär kostet euer komplettes Testangebot 59€, die allererste Bestellung jedoch 75€. Ist das denn jetzt viel oder wenig Geld im Vergleich zu anderen Testangeboten?

Das ist wirklich schwer zu beantworten. Für einige Menschen ist es nicht viel. Beispielsweise privat Versicherte, die die PrEP einnehmen, äußern immer wieder, wie günstig wir doch sind und lassen sich gerne regelmäßig bei uns testen. Für andere Menschen, z.B. in geringfügiger Beschäftigung oder Studierende, ist es jedoch schon viel Geld. Für Diejenigen gibt es ab sofort die Möglichkeit der Ermäßigung.

Fest steht: Wir sind ein Verein und haben keine Gewinnabsicht, dürfen aber natürlich auch keine Verluste machen. Als DAH erhalten wir Sonderkonditionen (u.a. von unserem Partner-Labor) – dadurch sind wir günstiger als andere Testanbieter. Außerdem steht für uns der Mensch im Mittelpunkt. Das bekommen wir immer wieder von unseren Nutzer*innen gespiegelt.

Du hast gerade von der Möglichkeit einer Ermäßigung gesprochen. Was hat es damit auf sich?

Ja, ich freue mich sogar sehr, darüber berichten zu können. In den letzten 8 Monaten haben wir hart an der Umsetzung unseres Vorhabens gearbeitet und seit Juli 2022 können wir Leuten, die bestimmte Kriterien erfüllen, unser komplettes Testangebot für nur 10€ anbieten. Ermöglicht wird dies durch Subventionen aus dem sog. Sozialfonds, dessen Einrichtung und ein erstes Testkontingent von ViiV Healthcare gespendet wurde. Im Zuge der notwendigen Preiserhöhungen in den letzten Jahren wurde deutlich, dass sich einige Menschen s.a.m health einfach nicht mehr leisten konnten. Und dafür haben wir dringend nach einer Lösung gesucht.

Wer kann denn die Ermäßigung bekommen?

Das Angebot richtet sich an Menschen, die ein erhöhtes Risiko hatten, sich mit HIV oder anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) angesteckt zu haben. Das können z.B. Sexarbeiter*innen, Menschen mit ungeschütztem Vaginal- oder Analverkehr, PrEP-Nutzer*innen oder auch Chemsex-Praktizierende (also Personen, die zum Sex Drogen einnehmen; wie z.B. Chrystal Meth, Amphetamine, GHB oder Kokain) sein.

Mit einbezogen wird auch die finanzielle Situation. Wer zum Beispiel Sozialleistungen bezieht (ALG II, Wohngeld, BAföG o.Ä.), ein geringes Einkommen hat oder einen prekären Aufenthaltsstatus hat (z.B. Geflüchtete und Asylsuchende), kann das komplette Testangebot für 10 € erhalten.

Wenn ich jetzt zu diesen Personengruppen gehöre, wie bekomme ich dann das reduzierte Testkit?

Zunächst musst du dich bei s.a.m health registrieren. Im persönlichen Beratungsgespräch – vor Ort oder telefonisch – teilst du deiner*deinem Berater*in mit, dass du dich für die Ermäßigung interessierst. Dein*e Berater*in wird deinen Bedarf und deine Fragen zu sexueller Gesundheit mit dir besprechen. Dabei wird geklärt, ob du ein Testkit aus dem Fonds erhalten kannst. Im Idealfall ist eine Ermäßigung für dich möglich und dir wird ein Zahlungslink per SMS zugesendet. Über diesen Link zahlst du dann die 10€ Eigenanteil für dein Testkit.

Wenn du bereits bei s.a.m health registriert bist, kannst du dich vor der Bestellung deines neuen Testkits an deinen lokalen s.a.m health-PartnerCheckpoint wenden. Dein*e Berater*in klärt dann, ob du eine Ermäßigung über den Sozialfonds erhalten kannst.

Das kann auch alles auf unserer Homepage noch einmal nachgelesen werden.

Kann ich denn als Privatperson oder als Organisation den Sozialfonds unterstützen?

Auf jeden Fall. Danke für diese Frage. Wir sind für jede Spende dankbar. Schon für 49€ kann man einem Menschen das ermäßigte Testangebot ermöglichen. Natürlich helfen größere Spenden gleich mehreren Menschen weiter. Mehr Infos zur Spendenmöglichkeit findet ihr hier.

Inwiefern könnte s.a.m health auch für lokale Beratungsstellen/Aidshilfen interessant sein?

Gerade für Beratungsstellen, Checkpoints und Gesundheitsämter, die bisher noch kein Testangebot haben oder nicht auf alle 4 Erreger vor Ort testen, könnte es interessant sein, auf s.a.m health zu verweisen. Außerdem könnte s.a.m health natürlich auch für Beratungsstellen in ländlicheren Regionen, in denen es kaum Zugang zu niedrigschwelligen Tests gibt, wertvoll sein. Wir hoffen, durch die Ermäßigungen – gerade außerhalb der Ballungszentren – s.a.m health für noch mehr Menschen zugänglich zu machen. Werbematerialien können gerne bei uns angefordert werden. Die schicken wir selbstverständlich kostenlos per Post zu.

Pia, vielen Dank für die ganzen Infos. Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Start des Sozialfonds und dass s.a.m. health weiter so gut läuft.

DAH