Von Safer Sex zu SHELBI: IWWIT nimmt queeres Leben in ganzer Vielfalt in den Fokus

© IWWIT

Die bundesweit agierende Präventionskampagne der Deutschen Aidshilfe „ICH WEISS WAS ICH TU“ (IWWIT) geht neue Wege. Mit ihrem Programm „SHELBI“ wird das Team von IWWIT zukünftig sechs Dimensionen queeren Lebens in den Fokus nehmen: Sexualität, Gesundheit, Bildung, Lebensweisen, Mut und Intersektionalität.

Die Präventionskampagne der Deutschen Aidshilfe „ICH WEISS WAS ICH TU“ (IWWIT) wurde 2008 ins Leben gerufen – als erste Kampagne in Deutschland, die sich gezielt und ausschließlich an schwule und bisexuelle Männer richtet. Damit setzte sie einen Meilenstein in der zielgruppenspezifischen HIV- und STI-Prävention.

Von Anfang an: IWWIT ist dort, wo die Community ist

Über die Jahre hinweg waren bisher mehr als 100 Menschen bundesweit im Einsatz, um Präventionsbotschaften direkt ins Gespräch zu bringen – bei CSD-Demonstrationen, queeren Straßenfesten, Workshops oder Community-Treffen.

Gemeinsam mit zahlreichen Kooperationspartner*innen wurden Themen wie Safer Sex, Leben mit HIV, Fetisch, Liebe und Beziehungen offen verhandelt. Was andernorts tabuisiert wird, wurde hier zum Ausgangspunkt für Austausch, Lernen und gegenseitige Unterstützung.

IWWIT wird für weitere fünf Jahre vom Bund gefördert

Finanziert wird die Kampagne vom Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (ehemals BZgA) in Förderzyklen von jeweils fünf Jahren. Am Ende jeder Phase wird geprüft, ob und in welcher Form die Kampagne fortgeführt wird. Diese Überprüfung ergab nun: IWWIT wird seit Januar 2025 ein weiteres Mal für fünf Jahre gefördert. Dies unterstreicht ihre anhaltende Relevanz.

Neue Förderperiode – Neue Projektideen

Mit dem Neustart in die aktuelle Förderphase rückt nun verstärkt der digitale Raum in den Fokus. Denn auch online müssen queere Lebensrealitäten sichtbar bleiben und besprechbar sein. IWWIT entwickelt sich zunehmend zu einer „Online-First“-Kampagne und setzt darauf, Menschen genau dort zu erreichen, wo sie sich informieren, vernetzen und bewegen.

„Wenn queere Themen aus dem öffentlichen Raum verdrängt oder zensiert werden, gefährdet das die Gesundheit und das Leben queerer Menschen. Prävention muss laut sein, sichtbar bleiben und sich gegen jede Form des Unsichtbarmachens stellen – im Stadtbild und online!“, sagt Jonathan Gregory.

Diese Sichtbarkeit durchzusetzen, ist jedoch nicht immer einfach. Große Plattformen wie „Meta Platforms“ (Facebook und Instagram), TikTok oder YouTube schränken Inhalte teilweise ein, wenn sie als „zu politisch“ oder „zu sexuell“ bewertet werden. Für die Kampagne bedeutet das: Strategien müssen kontinuierlich angepasst werden, um Sichtbarkeit zu sichern und gleichzeitig Sperrungen oder algorithmische Unsichtbarkeit zu vermeiden.

SHELBI (Sex, Health, Education, Lifestyle, Boldness, Intersectionality):
ein neuer Grundsatz für queere Prävention bei IWWIT

Mit SHELBI etabliert IWWIT einen zeitgemäßen, ganzheitlichen Ansatz für queere Präventionsarbeit. Die sechs zentralen Dimensionen – Sexualität, Gesundheit, Bildung, Lebensweisen, Mut und Intersektionalität – stehen dabei nicht isoliert nebeneinander, sondern greifen bewusst ineinander. Ziel ist es, Prävention neu zu denken: lebensnah, empowernd und anschlussfähig an die vielfältigen Realitäten von SBTIQ+.

Sexualität und Gesundheit werden dabei ebenso selbstverständlich zusammengedacht wie Bildung und Lebensstile. Gleichzeitig rückt SHELBI den Aspekt der „Boldness“ – also Mut, Sichtbarkeit und Selbstermächtigung – stärker in den Fokus. Ergänzt wird dies durch eine konsequent intersektionale Perspektive, die unterschiedliche Diskriminierungserfahrungen berücksichtigt und miteinander verknüpft. So entsteht eine Präventionsarbeit, die nicht nur informiert, sondern auch stärkt und gesellschaftliche Teilhabe fördert.

IWWIT richtet sich an alle queeren Menschen

Gestartet als Kampagne, die sich ausschließlich an schwule Männer/MSM wendete, richtet sich IWWIT mittlerweile und zukünftig bewusst an ein breites queeres Spektrum: SBTIQ+ – also schwule, bisexuelle, trans, inter, queere und nicht-binäre Menschen sowie MSM (Männer, die Sex mit Männern haben). Diese Diversifizierung der Schlüsselgruppen eröffnet neue Möglichkeiten in der Ansprache, in der Entwicklung von Präventionsstrategien und in der Ausgestaltung von Kampagnen. Gleichzeitig bleibt die kontinuierliche Arbeit gegen Stigmatisierung ein zentraler Bestandteil – ebenso wie eine Community-Arbeit, die einschließt statt auszugrenzen.

Besonders wichtig ist dabei ein konsequent inklusiver Ansatz: Möglichst viele Menschen der SBTIQ+-Communitys und MSM sollen sich angesprochen fühlen und Zugang zu den Themen der Kampagne erhalten. Das bedeutet: Barrieren abbauen, unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar machen und Räume schaffen, in denen sich Menschen wiederfinden können. Prävention wird so nicht als Belehrung verstanden, sondern als Einladung zur Auseinandersetzung – offen, respektvoll und auf Augenhöhe.

Was die Deutsche Aidshilfe seit über 44 Jahren und das Projekt IWWIT seit nunmehr 17 Jahren auf die Beine stellt, hat eine Strahlungskraft auf europäischer Ebene. Die faktenbasierte und medizinisch fundamentierte Arbeit aller Aidshilfen deutschlandweit stärkt nicht nur die Communitys, für die sich die Mitgliedsorganisationen einsetzen, sondern auch für eine vielfältige und inklusive Gesellschaft, die die Gesundheitsbedarfe aller Menschen ernst nimmt.“, so Jonathan Gregory.

IWWIT ist und bleibt nahe am Geschehen der SBTIQ+- Community und verbindet

Gesundheitsaufklärung mit sozialen Themen und den Lebenswelten, der Menschen, die unsere Communitys bunt und spannend machen. Das aufgebaute Vertrauen beruht auf Gegenseitigkeit und Partizipation. Das Kampagnenteam, bestehend aus neun Menschen, ist motiviert und freut sich, starke Prävention mit einer starken Marke für eine starke Organisation in den kommenden fünf Jahren umzusetzen.“, so Jonathan Gregory abschließend.

Bleib immer auf dem Laufenden! Folge der IWWIT-Kampagne auf:

– Webseite: iwwit.de

– Instagram: @ichweisswasichtu