Wenn die Angst vor Geschlechtskrankheiten übermächtig wird

Cerutti vergleicht die Krankheitsangststörung in ihrem Podcast dabei mit einem zu überempfindlich eingestellten Feuermelder, der immer wieder Alarm auslöst, auch wenn es keine Gefahr gibt
DAH/Taubert 2026.

Cerutti vergleicht die Krankheitsangststörung in ihrem Podcast mit einem zu überempfindlich eingestellten Feuermelder, der immer wieder Alarm auslöst, auch wenn es keine Gefahr gibt.

Fragen zur HIV-Übertragung von Menschen mit krankheitsbezogen Ängsten stellen für Berater*innen oft eine große Herausforderung. Sachliche Antworten sowie Tests können in diesen Fällen nur sehr eingeschränkt Linderung verschaffen. Franca Cerutti, Psychologische Psychotherapeutin, beschreibt in ihrem Podcast die Hintergründe von Krankheitsängsten. Wissen und Fertigkeiten für die Beratung können Berater*innen in einem neu entwickelten Seminar der Deutschen Aidshilfe lernen.

Ob Klient*innen „nur ängstlich“ sind oder ob hinter ihren Fragen eine Angsterkrankung oder hypochondrische Störung steckt, ist für Laien oft schwer zu erkennen. Einerseits gibt es fließende Übergänge, andererseits muss berücksichtigt werden, dass auch sehr ängstliche Menschen durchaus einmal ein reales Risiko für eine HIV/STI-Infektion gehabt haben können. Aus diesem Grund ist es wichtig, jede ratsuchende Person mit ihrer Geschichte ernst zu nehmen und zunächst eine umfassende Risikoanamnese durchzuführen. Doch dabei darf es nicht stehenbleiben.

Ende 2025 veröffentlichte die Deutsche Aidshilfe (DAH) in dritter Auflage ihre Handreichung zur Beratung von Menschen mit HIV-bezogenen Krankheitsängsten. Der Schwerpunkt dieser Handreichung liegt auf dem Aufbau einer spezifischen HIV/STI-Beratung für diese Klient*innengruppe. Die Autor*innen beschreiben, wie Berater*innen neben einer verständlichen Vermittlung von Sachwissen auch die Motivation dieser Menschen fördern können, sich mit den Themen hinter ihrem Testwunsch auseinanderzusetzen. Der Fokus der Beratung verlagert sich dann auf eine passende Weiterverweisung dieser Klient*innen, anstatt über Restrisiken oder wiederholtes Testen zu diskutieren. Die Broschüre kann über den Versand der Deutschen Aidshilfe bestellt oder hier direkt heruntergeladen werden: Handreichung herunterladen.

Podcast zu den psychologischen Hintergründen

Die Psychologin und Verhaltenstherapeutin Franca Cerutti beschreibt in ihrem Podcast der Reihe „Psychologie to go“ (11/2025), wie Menschen eine Krankheitsangst entwickeln. Sie erklärt anschaulich, wie ein ständiges Absichern durch wiederholte Diagnostik oder Internetrecherchen die Problematik weiter verstärkt und in eine Angstspirale führt. Auch wenn Cerutti nicht explizit auf HIV-bezogene Krankheitsängste eingeht, lassen sich ihre Erläuterungen sehr gut auf die Situation von Menschen mit HIV/STI-Ängsten übertragen.

Ceruttis Podcast ist verfügbar unter: Psychologie to go – Krankheitsangst oder auf Spotify unter: Spotify-Link.

Neue zentrale Fortbildung der DAH

Für diejenigen, die sich weitergehend mit dem Thema der HIV-bezogenen Krankheitsängste beschäftigen möchten, sei die zentrale Fortbildung der Deutschen Aidshilfe empfohlen. Aufbauend auf Erfahrungen mit Inhouse-Schulungen bei regionalen Aidshilfen sowie neueren Erkenntnissen aus der Behandlung von Angst- und Zwangserkrankungen hat die Deutsche Aidshilfe eine anderthalbtägige Fortbildung entwickelt. Die Trainer vermitteln im Seminar ein grundlegendes Verständnis für die Psychodynamik von Angsterkrankungen und damit verbundenen somatoformen Störungen. Durch konkrete Fallarbeiten lernen die Teilnehmenden, wie die Möglichkeiten der HIV/STI-Beratung genutzt werden können, um Menschen eine Auseinandersetzung mit ihren „eigentlichen Themen“ zu ermöglichen, wie Ängste selbstwirksam reduziert werden können und in der Beratung eine Brücke zu weiterführenden Hilfsangeboten gebaut werden kann.